Hoffnung auf Gegenmittel zu Biowaffe Botulinumtoxin
New York/Maryland (pte) - Wissenschaftler des Brookhaven National Laboratory und des United States Army Medical Research Institute of Infectious Diseases (USAMRIID) entwickeln derzeit ein Gegenmittel gegen Botulinumtoxin, eine der am meisten gefürchteten biologischen Waffen der Welt. Verteidigungsexperten gehen davon aus, dass ein Gramm ausreichend ist, um Hunderttausende Menschen zu töten. Immer wieder erkranken Menschen auch aufgrund einer Lebensmittelvergiftung an Botulismus. Das Gift wird aber auch als Botox eingesetzt, um injiziert Falten zum Verschwinden zu bringen. Details der Studie wurden im Journal of Biological Chemistry veröffentlicht.
Mit finanzieller Unterstützung durch die amerikanische Regierung ist dem Team ein Durchbruch bei der Entwicklung eines Gegenmittels gegen die wirksamste Form des Giftes gelungen. Sie entwickelten ein Protein, das die Wirkung des Giftes blockiert, in dem es dazu gebracht wird, die Zellen im Körper nicht anzugreifen. Der leitende Wissenschaftler Subramanyam Swaminathan erklärte gegenüber BBC News, dass es mindestens vier bis fünf Jahre dauern werde, bis diese Forschungsergebnisse zu einem zugelassenen Medikament führen können. Clostridium botulinum produziert sieben verschiedene Neurotoxine, die Proteine im Inneren der menschlichen Nervenzellen angreifen und die Chemikalien blockieren, über die sie miteinander und den Muskeln kommunizieren. Die Folge kann eine Lähmung der für das Atmen benötigten Muskulatur sein. Damit wird die Atmung gelähmt und das Opfer erstickt.
Das neue im Brookhaven National Laboratory entwickelte Protein entfaltet seine Wirkung bei dem wirksamsten dieser sieben Toxine, für das es bisher keine medizinische Behandlung gab. Es wirkt wie ein Köder für die Proteine in den Nervenzellen - das Toxin bindet sich folglich also nicht an die Nervenzellen an. Damit kann eine Lähmung verhindert werden. Laut Swaminathan wirkt dieser Ansatz zehn bis 15 Mal besser als die besten derzeit auf dem Markt befindlichen Präparate. Impfstoffe gegen Botulinumtoxin gibt es bereits. Sie sind jedoch darauf ausgerichtet vor einem Angriff verabreicht zu werden. Die aktuellen Forschungsergebnisse könnten jedoch ein Medikament ermöglichen, dass nach einem Angriff eingesetzt werden kann.
Die amerikanische Regierung hat 2009 eine Erhöhung der Mittel für die Forschung gegen Biowaffen wie Botulinumtoxin auf 5,8 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Das wäre eine Erhöhung um fünf Prozent im Vergleich zum vergangenen Jahr. Obwohl das Gift noch nie erfolgreich zum Einsatz gekommen ist, kam es immer wieder zu Versuchen. Aum Shinrikyo versuchte es zwischen 1990 und 1995 gleich drei Mal. Im Vorfeld des Golfkrieges 1991 sollen im Irak Tausende Liter des Giftes hergestellt worden sein.