Hewlett Packard will EDS für 13 Mrd. Dollar schlucken
Palo Alto/Plano/Wien (pte) - Der Computerhersteller Hewlett Packard (HP) plant den Kauf des US-IT-Dienstleisters EDS für zwölf bis 13 Mrd. Dollar. Wie das Wall Street Journal heute, Dienstag, berichtet, würde der Konzern beim Abschluss der Verhandlungen bei Computerdienstleistungen zum Marktführer IBM aufschließen. Obwohl beide Unternehmen mittlerweile bestätigt haben, Gespräche im fortgeschrittenen Stadium zu führen, wurden bislang keine Details bekannt. Insider gehen jedoch davon aus, dass es noch heute nach Börsenschluss eine Mitteilung geben wird. Vom Vorhaben angeheizt, stiegen die EDS-Aktien um fast 28 Prozent auf 24,13 Dollar. So hat EDS eine Marktkapitalisierung von rund zwölf Mrd. Dollar. HPs Papiere gaben um 4,7 Prozent leicht auf 46,83 Dollar nach.
“Eine Übernahme von EDS ist für HP vor allem strategisch sinnvoll, da man im umkämpften IT-Dienstleistungssektor dann breiter aufgestellt wäre und einem Trend folgen würde, den andere große Unternehmen wie SAP oder IBM bereits seit Jahren durchführen”, unterstreicht Erste-Bank-Analyst Hans Engel auf Nachfrage von pressetext. Laut dem Experten läge der Hauptvorteil für HP darin, neue Vertriebswege erschließen zu können und neben der durch EDS betreuten IT neue Geräte an die Kunden zu bringen. “Eine Übernahme wird jedoch nicht nur von diesen Faktoren abhängen. Viel wichtiger wie bei fast allen Akquisitionen ist, dass auch die unterschiedlichen Firmenkulturen zueinander passen”, so Engel weiter. Zudem seien die mit der Übernahme zu erzielenden Einspareffekte für HP nicht unwichtig.
Branchenkenner bewerten den Vorstoß HPs als strategisch richtigen Schritt, um zusätzlich Marktanteile im florierenden Geschäft mit Computerdienstleistungen dazu gewinnen zu können. Dieses stelle in wirtschaftlich schwierigen Zeiten einer abschwächenden Konjunktur vor allem in den USA einen Geschäftszweig mit hohen Margen in Aussicht. So habe besonders IBM als Marktführer bei IT-Dienstleistungen in den vergangenen Jahren von seinen massiven Ausbauplänen profitiert, schreibt das Blatt. Obwohl der Mega-Deal mit EDS noch in letzter Sekunde scheitern könnte, entstünde bei einer Unterzeichnung ein schweres Marktgewicht. HP wäre es auf diesem Wege mit einer Marktkapitalisierung von 115 Mrd. Dollar möglich, den bereits bestehenden EDS-Kunden leichter seine Server und Workstations zu verkaufen.
Derzeit beschäftigt das zur Disposition stehende Unternehmen rund 137.000 Arbeitskräfte, die den Betrieb von Servern, Mainframes und Helpdesks sicherstellen. Zudem hat sich EDS auf die Abwicklung von Kundendaten in den Segmenten Fertigung, Energie, Kommunikation Gesundheit, Finanzen, Transport, Konsumgüter sowie öffentliche Verwaltung spezialisiert. Der IT-Outsourcing-Experte steht vorrangig wegen seiner indischen Konkurrenz massiv unter Druck, was zu Wachstumsdefiziten führte. Dies war der Anlass für EDS, die ihr Kerngeschäft in den USA betreibt, rund 20 Prozent der Mitarbeiter im Niedriglohnland Indien anzustellen. EDS stand jedoch bereits im Vorjahr zum Verkauf. Damals war auch über ein Interesse der Deutschen Telekom am Konzern spekuliert worden.
2007 kontrollierte HP-Erzrivale IBM laut einer Gartner-Einschätzung 7,2 Prozent des Tech-Services-Marktes, während EDS auf drei Prozent und HP auf nur magere 2,3 Prozent kam. Eine Übernahme EDS’ durch HP würde angesichts der prognostizierten Wachstumsraten von jährlich über acht Prozent bis 2013 Sinn machen, meinen Analysten. Da EDS wegen der Konkurrenz jedoch an Wachstums einbüßt, steht nun nur mehr ein Verkauf als Option bevor, zitiert das Blatt Peter Bendor-Samuel, CEO der US-Beratungs- und Research-Firma Everest Group.