Finanzkrise: Postbank und HVB schwächeln
Bonn/München (pte) - Die Deutsche Postbank muss wegen der anhaltenden Finanzkrise im ersten Quartal deutliche Einbußen hinnehmen. Wie das Institut heute, Donnerstag, bekannt gab, reduzierte sich das Ergebnis vor Steuern zwischen Januar und März um ein Viertel auf 166 Mio. Euro. Auch blieb der Gewinn von dieser Entwicklung nicht verschont und sank um 19 Prozent auf 116 Mio. Euro. Trotz der Zahlen übertraf die Postbank jedoch die Erwartungen der Analysten. Diese hatten einen Rückgang des Ergebnisses auf 137 Mio. und einen Gewinn von nur 97 Mio. Euro prognostiziert. Neben der Postbank kämpft aber auch die zur UniCredit gehörende Hypovereinsbank mit massiven Startproblemen. Das Vorsteuerergebnis sank um 1,4 Mrd. auf minus 0,318 Mrd. Euro. Den Verlust der HVB-Gruppe beziffert die Bank auf 282 Mio. nach einem Quartalsgewinn von 793 Mio. Euro.
“Auch die deutschen Banken sind von der Finanzkrise stark betroffen, da dies sowohl bei der Deutschen Bank erstmals seit fünf Jahren als auch bei der Postbank, Hypovereinsbank sowie der Hypo Real Estate und womöglich auch bei der Dresdner Bank zum schlechtesten Quartal seit langem geführt hat”, erläutert Dieter Hein, Geschäftsführer des unabhängigen Research-Unternehmens fairesearch, im Gespräch mit pressetext. Laut dem Bankenexperten befinden sich die USA bereits in einer Rezession, die mittel- bis langfristig dazu führen wird, dass mit zeitverzögerten Auswirkungen auf Asien und Europa zu rechnen sein wird. “Der Markt ist vor allem in Zeiten wie diesen von Berufsoptimisten geprägt. Somit befinden wir uns in einer Phase, in der die Marktteilnehmer hoffen, dass das Schlimmste vorbei ist. Prognosen in die Zukunft sind jedoch nicht einfach”, unterstreicht Hein weiter.
Angesichts der monatelangen Turbulenzen an den Aktienmärkten machte sich die Finanzkrise unter dem Strich für die Postbank mit 174 Mio. Euro bemerkbar. Hinzu kamen Belastungen in den Neubewertungsrücklagen des Unternehmens. Wegen der überraschenden Zahlen bestätigte die Postbank das operative Ergebnisziel für das laufende Geschäftsjahr und hält dabei auch an ihrer mittelfristigen Prognose fest. Im Detail musste die Bank im ersten Quartal noch einmal 48 Mio. Euro auf die von der Kapitalmarktkrise betroffenen Bestände abschreiben. Wie die Financial Times Deutschland berichtet, summieren sich die Subprime-Abschreibungen zusammen mit den 112 Mio. des Vorjahres auf nunmehr 160 Mio. Euro. Durch die Ausweitung der Krise auf andere Anlageklassen mussten zudem Wertkorrekturen über 126 Mio. Euro vorgenommen werden, die das Handelsergebnis stark belasten.
Die bayerische Hypovereinsbank hat nicht wie die Postbank “nur” einen Gewinneinbruch zu bewältigen, sondern rutscht mit ihren aktuellen Zahlen in die Verlustzone. Bereits im April hatte die italienische Konzernmutter UniCredit auf die Äußerungen des Vorstandssprechers Wolfgang Sprißler reagiert und vor einem zu erwartenden Handelsverlust bei der HVB von 675 Mio. Euro wegen Abschreibungen unter anderem auf das ABS-Portfolio gewarnt. Trotz der Unsicherheiten blickt das Institut optimistisch in die Zukunft, verweist jedoch darauf, dass ungeachtet der jüngsten Stabilisierungssignale der Finanzmärkte “die früheren Niveaus nicht wieder erreicht werden”, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Auch bei der HVB wurde das Handelsergebnis durch Bewertungskorrekturen und Abschreibungen auf forderungsbesicherte Wertpapiere von 495 Mio. Euro stark belastet. Insgesamt ergibt sich für das erste Quartal ein Handelverlust von 647 Mio. nach 350 Mio. Euro im Vorjahr.