Afrikanischer Telekom-Deal entfacht chinesisch-indische Bieter-Schlacht
Neu Delhi/Johannesburg (pte) - Um den südafrikanischen Telekommunikationsriesen MTN Group reißen sich sowohl indische als auch chinesische Netzbetreiber. Das Interesse an einer Beteiligung könnte in den weltgrößten Emerging Markets zu einer regelrechten Bieter-Schlacht ausarten. Der indische Anbieter Bharti Airtel hat am Montag bestätigt, mit MTN Gespräche zu führen. Einigen Analysten zufolge seien aber auch chinesische Konzerne wie China Mobile oder China Telecom an einer Beteiligung interessiert, berichtet die New York Times. “Chinesische Telekommunikationsunternehmen werden ernstzunehmende Mitstreiter in einem Kampf um MTN sein”, sagt Girish Trivedi, stellvertretender Direktor der Telekommunikationssparte für Südasien und den Nahen Osten beim Marktforschungsunternehmen Frost & Sullivan.
Die MTN Group ist Marktführer in Südafrika und kann rund 70 Mio. Teilnehmer als Kunden aufweisen. Darüber hinaus ist der Konzern in einigen der weltweit am schnellsten wachsenden Märkte wie Nigeria oder Iran vertreten. Der Preis für eine mögliche Beteiligung an MTN ist ohnehin entsprechend hoch angesiedelt. Ein Gebotswettstreit könnte diesen jedoch noch weiter nach oben treiben. Die Analysten gehen davon aus, dass die chinesischen Mitwerber als Sieger aus dem Bieter-Kampf hervorgehen dürften. Dies sei nicht zuletzt auf ihre höhere Finanzkraft zurückzuführen. Darüber hinaus verfügen die Konzerne über Rückendeckung durch die chinesische Regierung und die stärkste Netzteilnehmer-Basis der Welt. So ist China Mobile nach Nutzerzahlen mit über 300 Mio. Teilnehmern der weltweit größte Mobilfunkbetreiber.
Vor einigen Jahren hatte China Mobile bereits Interesse an MTN bekundet, aufgrund des hohen Preises jedoch kein Gebot abgegeben. Angesichts der weiter gestiegenen Bewertungen sehen manche Branchenexperten und Investment-Banker derzeit noch keine Chance für eine erfolgreiche Offerte. Obwohl Bharti Airtel bestreitet, bereits ein Angebot gelegt zu haben, ist Medienberichten die Information über eine Offerte in Höhe von 19 Mrd. Dollar für 51 Prozent an MTN zu entnehmen. Es gebe jedoch viele verschiedene Möglichkeiten einer Beteiligung, die erfolgsversprechend sein könnten, widerspricht Bharti Airtel.
Während China und Indien als Repräsentanten der Emerging Markets und der neuen Wirtschaft gehandelt werden und M&A-Aktivitäten zum Tagesgeschehen zählen, hat ein direkter Wettstreit um einen Deal zwischen den größten Konzernen der beiden Nationen geradezu Seltenheitswert. Offen bleibt, wie der Gebots-Kampf enden wird und ob sich daran noch Unternehmen aus anderen Staaten beteiligen werden. So werden beispielsweise auch russische Konzerne wie VimpelCom, Mobile TeleSystems und Megaphone als mögliche Interessenten gehandelt.